Die in Philadelphia geborene Marjorie M. Liu wuchs in Seattle auf und fand durch Laura Ingalls‘ Romane der kleinen Farm die Liebe zum Lesen. Dennoch dachte sie nicht daran, Autorin zu werden, sondern studierte ostasiatische Sprachen, verlegte sich dann auf Jura und arbeitete in Peking für den Foreign Agricultural Service der US-Botschaft.

Ihr Interesse für das Recht wich aber bald einer Desillusion und der Erkenntnis, dass sie schreiben wollte. Im Jahr 2005 publizierte sie mit Tiger Eye ihren ersten Roman, den sie innerhalb eines Monats geschrieben hatte. Die Mischung aus Romanze und Übernatürlichen traf den Nerv der Leser, weswegen Liu einige Fortsetzungen verfasste, aber auch andere Geschichten anging. Ihrer Agentin gegenüber erwähnte sie mal, dass sie gerne Comics für Marvel schreiben würde. Diese streckte darum ihre Fühler aus, was in ein paar Romanen mit Marvel-Figuren mündete, bevor die Chance auf echte Comics kam. Lius erste Serie war der X-Men-Spinoff NYX, später folgten u.a. Astonishing X-Men und X-23.

Bei letzterer Serie arbeitete Liu mit der in Niigata geborenen Sana Takeda zusammen. Takeda hatte im Alter von 20 Jahren als 3-D-CGI-Designer für SEGA begonnen und arbeitete später freischaffend als Künstlerin. Sie zeichnet dabei nicht nur für Marvel in den USA, sondern auch für verschiedene Trading-Card-Unternehmen in Japan.

Mit Monstress haben beide ihren ersten Creator-Owned-Titel, die für zwei Eisner Awards nominiert ist: als „beste neue Serie“ und Liu als „bester Autor“.

Feministisch

Monstress ist eine Geschichte über Frauen und von Frauen erzählt. Die Serie ist inhärent feministisch. Liu ist daran interessiert, zu untersuchen, wie Frauen innerhalb einer matriarchalischen Gesellschaft funktionieren. Welche Bande sie schmieden und wie die Dynamik aufeinander wirkt. Aber Liu verfällt nicht einer romantisierten Form von Feminismus. Sie propagiert nicht, dass eine Welt ohne Männer eine bessere wäre. Der Gedanke mag schön sein, dass es keinen Krieg, keinen Rassismus, keine religiösen Konflikte und keine sexuellen Übergriffe mehr gäbe, aber er ist falsch. Weil die Frau kein höheres Wesen, sondern auch nur ein Mensch ist.

Deshalb ist die Welt von Monstress auch keine perfekte, sondern in ihrer Essenz so kaputt wie die reale. Aber der Umgang mit diesen Themen erlaubt es, eine Diskussion anzuregen, die sonst vielleicht ausbliebe. Dabei geht es nicht nur um die Gleichstellung der Geschlechter, sondern auch der der Rassen. Monstress ist ein starkes und leidenschaftliches Plädoyer gegen Rassismus. Der Fantasy-Kontext erlaubt es, hier in Bereiche vorzudringen, vor denen viele gerne die Augen verschließen.

Die Geschichte ist reichhaltig mit Subebenen unterfüttert, man kann sich von ihr aber auch ganz einfach unterhalten lassen. Weil die Welt, die Liu hier erschaffen hat, so reich und interessant ist. Es ist eine Fantasy-Geschichte, die vor sprühender Phantasie nur so aufgeht. Eine Welt, die so detailliert erschaffen ist, dass man als Leser mit jeder verstreichenden Seite tiefer in sie hineingezogen wird. Monstress ist kühn, unkonventionell, groß und von immenser Schönheit, die sogar der der Geschichte inhärenten Gewalt einen Hauch von Ästhetik verleiht.

Der neunte Band erscheint im Juli 2026, der zehnte Band folgt im Februar 2027.

Von Peter

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