So wie Rohmers Fu Manchu wurde auch Earl Derr Biggers‘ gewiefter Roman-Held, der Detektiv Charlie Chan, der vor allem durch die Filme der 1930er und 1940er Jahre bekannt ist, in Comic-Form umgesetzt. Von 1938 bis 1942 gab es einen Zeitungsstrip, der von Alfred Andriola gezeichnet wurde.

Joe Simon und Jack Kirby entwickelten 1948 die Serie Charlie Chan für Prize Comics, die es aber nur auf fünf Ausgaben brachte. Charlton publizierte 1955 eine Serie, die vier Hefte erlebte und DC Comics präsentierte 1958 als Begleit-Heft zur Fernsehserie The New Adventures of Charlie Chan, aber auch hier gab es nur sechs Ausgaben. Zwei Hefte wurden von Dell Comics im Jahr 1965 publiziert, eine weitere kurzlebige Serie kam in den 1970er Jahren von Gold Key Comics.

Die Green Hornet hatte ihre Abenteuer in den 1930er Jahren als Held von Hörspielen begonnen. Bekannt ist heutzutage vor allem die Fernsehserie aus den 1960er Jahren, in der Bruce Lee den Gehilfen Kato gespielt hat. Schon vor dieser gab es Comic-Adaptionen. In den 1940er Jahren erschienen 47 Ausgaben und wechselnden Titeln, in den 1950er Jahren publizierte Dell zwei Hefte, ab 1967 war dann Gold Key am Zug, das eine dreiteilige Reihe zru Fernsehserie produzierte.

1989 begann NOW Comics mit einer eigenen Serie, die die Nachfahren der Helden aus der Fernsehserie zeigte. Die Serie lief bis 1995, neben Sonderpublikationen gab es auch zwei Miniserien, in denen Kato alleine agierte. Seit 2009 veröffentlicht Dynamite neue Comics mit Green Hornet und Kato.

Der Eastern als Comic

Zur Mitte der 1970er Jahre eroberte ein neues Genre die Kinoleinwände der Republik: der Eastern. Ausgelöst von den weltweit erfolgreichen Filmen mit Kampfsport-Legende Bruce Lee folgte bald eine Vielzahl ähnlich gelagerter, aber qualitativ häufig schlechterer Filme, die allesamt damit punkten wollten, mit Kampfspektakel (und zumeist synchronisationsbedingten Kalauern) das Publikum zu begeistern.

Wie bei jedem Trend versuchen auch andere, darauf aufzuspringen. Das galt auch für den Bastei Verlag, der 1975 mit der Publikation von Kung Fu begann, eine Serie im Großband-Überformat.

Neben redaktionellen Texten, die sich mit aktuellen Filmen, Kampfsport-Übungen und Vorstellung verschiedener Kampfsportler befassten, gab es vor allem Comics, die nicht zwangsläufig mit Kung Fu zu tun haben mussten. Die Hefte wiesen auch einen Karateteil auf.

Geschichten um den Rebell Shi-Kai oder Zendo den Hai gab es zuhauf. Letzterer war sogar ein Freund von Bruce Lee, der in Kung Fu 11 sogar einen Gastauftritt absolviert. Es handelte sich mehrheitlich um billige Auftragsarbeiten, die in Spanien gefertigt wurden, bisweilen sogar von etablierten Zeichnern wie Jordi Bernet oder Jose Ortiz.

Inhaltlich orientierte man sich an den Klischees, die die Filmwelle aus Fernost nach Europa herübergeschwappt hatte. Das heißt: Kämpfe noch und nöcher, aber schmalspurige Handlungen

Erfolgreich war das Ganze jedoch, wurde die Serie doch bis 1981 fortgeführt und brachte es auf 155 Ausgaben. Dazu noch vier Taschenbücher, die von 1982 bis 1984 erschienen sind.

Da sich Bastei frühzeitig den Titel gesichert hatte, kam es zu der kuriosen Situation, dass die Comic-Adaption der Fernsehserie Kung Fu bei Koralle einen anderen Titel hatte: Caine – Der Meister des Kung Fu. Neben Veröffentlichungen in Zack gab es auch ein eigenes Album mit neuen Abenteuern des Shaolin-Mönchs, der im Wilden Westen unterwegs ist, der Erfolg war jedoch überschaubar, da die Comics nur so lange zogen, wie die Serie im Fernsehen aktuell war.

Der komische Blick über den Tellerrand

So mancher Comic befasst sich auch humoristisch mit der chinesischen Kultur, bei Ehapa gab es gleich mehrere Disney-Stoffe, die amüsant Historie aufbereiten, darunter Goofy als Dschingis Khan und Micky als Marco Polo.

Das Duo Turk und de Groot ließ im zweiten Album von Leonardo das „Genie ohne Grenzen“ ein China-Abenteuer erleben, während Magnus mit Die 110 Pillen sich eher für die erotischen Möglichkeiten des Themas begeistert.

In der von den Asterix-Machern Yann und Conrad entwickelten Serie Helden ohne Skrupel gibt es Abenteuer mit viel Humor, die von einer bunten Schar ziemlich bizarrer Figuren getragen werden. Ihre Abenteuer erleben die skrupellosen Helden dabei vornehmlich in Fernost.

Zwischen 2001 und 2003 erschienen bei Carlsen neun Alben, Finix komplettierte das Ganze dann von 2009 bis 2011 mit vier weiteren Ausgaben.

Ob nun lustig, abenteuerlich oder auch phantastisch, den meisten westlichen Comics, die sich mit China in der einen oder anderen Form befassen, blicken auf die Vergangenheit zurück – an die kommunistische Gegenwart trauen sich nur die wenigsten heran. Allenfalls, wenn das Spukgespenst der Gelben Gefahr heraufbeschworen werden muss. Aber das mag sich ändern – zumindest bei den amerikanischen Superhelden –, ist China doch ein begehrter Absatzmarkt der Zukunft…

Von Peter

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