Jeff Lemire ist ein fleißiger Autor. Er schreibt jede Menge eigene Serien, ist aber auch immer noch für DC tätig. Mittlerweile stellt sich das Gefühl ein, dass das immense Arbeitspensum seinen Tribut fordert. Denn die prägnante Charakterisierung und das psychologische Hinterfragen der Figuren ist eine von Lemires Stärken.

Eine Stärke, die er bei Joker: Killer Smile eigentlich voll und ganz ausspielen können musste. Aber der Comic wirkt seltsam unfertig, wie ein Sammelsurium an halbdurchdachten Ideen, die zwar auf ein konsequentes Ende hinführen, aber auch in keinem Moment überraschen. Als Leser hat man das Gefühl, Lemire hier immer einen Schritt voraus zu sein. Er erzählt von einem Psychiater, der sich in den Kopf gesetzt hat, den Joker zu heilen, doch in den Gesprächen, die er mit ihm führt, wird immer klarer, dass nicht der Joker gesünder, sondern der Arzt kränker wird. Im Grunde bietet Lemire hier eine Variation der Harleen-Quinzel-Geschichte an, nur dass Joker: Killer Smile seltsam plump anmutet.

Es gibt verspielte Ideen, so das Kinderbuch, das Lemire nutzt, um der Geschichte den Spiegel vorzuhalten, aber er kratzt nur an der Oberfläche. Der Wahnsinn, in den der Arzt verfällt, erscheint überzogen, gerade so, als wollte Lemire sagen, dass der Joker durch das bloße Gespräch Menschen den Funken Wahn einpflanzen kann, der auch ihn beseelt. Aber das wäre ein übernatürliches Element, das hier nicht zum Tragen kommt. Vielmehr scheint es so, dass die Arztfigur von Anfang an verloren ist, nicht unähnlich dem von Jack Nicholson gespielten Jack Torrance in Stanley Kubricks Film The Shining.

Aber genau darum ist das hier auch unbefriedigend, weil Lemire nichts Neues zu sagen hat. Noch schlimmer wird es im vierten Kapitel, das dann nicht mehr dem Arzt, sondern dem in Arkham einsitzenden Bruce Wayne vorbehalten ist und sich wie eine Best-of-Kompilation ähnlich gelagerter Geschichten der letzten Jahrzehnte liest. Lemire sollte dringend weniger produzieren, aber dafür seine alten Stärken entfalten.

Von Peter

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