Mit SUPERGIRL schlägt das neue DC-Universum einen anderen Ton an als die bisherigen Leinwandabenteuer der Figur. Grundlage ist die Comicreihe SUPERGIRL: WOMAN OF TOMORROW von Tom King, die Kara Zor-El neu definierte. Entsprechend präsentiert der Film keine strahlende Heldin, die ihren Platz in der Welt längst gefunden hat, sondern eine junge Frau, die noch immer mit ihrer Vergangenheit ringt und nach einem Sinn für ihre Zukunft sucht.
An ihrem Geburtstag wird Kara Zor-El in ein Abenteuer hineingezogen, das sie quer durch die Galaxis führt. Die junge Ruthye bittet sie um Hilfe, nachdem der skrupellose Krem ihre Familie ermordet hat. Das Mädchen verlangt nach Vergeltung und setzt alles daran, den Täter aufzuspüren.
Für Kara wird die Jagd jedoch auch persönlich. Während der Ereignisse wird ihr treuer Hund Krypto vergiftet. Um ihn zu retten, muss sie Krem aufspüren und an das Gegenmittel gelangen, bevor die Zeit abläuft. Gemeinsam mit Ruthye verfolgt sie die Spur des Mörders durch zahlreiche Welten und gerät dabei immer wieder in gefährliche Situationen. Unterwegs kreuzen zudem Figuren wie der berüchtigte Kopfgeldjäger Lobo ihren Weg.
Der Film verbindet klassische Science-Fiction-Abenteuer mit einer sehr persönlichen Geschichte. Zwar erinnert die Reise durch ferne Welten gelegentlich an die lockere Tonalität von GUARDIANS OF THE GALAXY, doch besitzt SUPERGIRL einen eigenen Charakter. Humor, Action und emotionale Momente halten sich die Waage, ohne dass einer dieser Aspekte die Oberhand gewinnt.
Im Mittelpunkt steht dabei Milly Alcock, die der Figur eine völlig neue Note verleiht. Ihr Supergirl unterscheidet sich deutlich von früheren Interpretationen. Kara ist rauer, impulsiver und weniger idealistisch als ihr berühmter Cousin. Sie trägt die Narben ihrer Vergangenheit offen mit sich herum und fühlt sich weder auf der Erde noch irgendwo sonst wirklich zuhause.
Gerade diese innere Zerrissenheit macht die Figur interessant. Die Reise mit Ruthye entwickelt sich nicht nur zu einer Verfolgungsjagd, sondern auch zu einem Prozess der Selbstfindung. Während das Mädchen lernen muss, mit seiner Wut umzugehen, wird Kara gezwungen, sich ihren eigenen Verlusten und Ängsten zu stellen. Beide Figuren verändern sich auf ihrem Weg und finden schließlich Antworten, die sie zu Beginn der Geschichte noch nicht kannten.
Auch die Nebenrollen überzeugen. Matthias Schoenaerts verleiht Krem eine bedrohliche Präsenz, während Jason Momoa als Lobo jede Szene an sich reißt. Der Schauspieler scheint wie geschaffen für die Rolle des intergalaktischen Söldners und sorgt für einige der unterhaltsamsten Momente des Films. Nicht wenige Zuschauer dürften sich nach diesem Auftritt einen eigenen Lobo-Film wünschen.
Interessant ist zudem, wie beiläufig der Film wichtige Elemente aus Karas Vergangenheit einfließen lässt. Ihre Herkunft und die Zerstörung Kryptons werden nicht in langen Rückblenden erklärt, sondern organisch in die Handlung eingebunden. Dadurch entsteht ein vollständigeres Bild der Figur, ohne den Erzählfluss zu bremsen.
Ein kurzer Auftritt von David Corenswet als Superman unterstreicht zudem die Unterschiede zwischen den beiden Kryptoniern. Wo Clark Kent Hoffnung und Optimismus verkörpert, wirkt Kara kantiger, direkter und deutlich weniger bereit, Konflikten auszuweichen.
SUPERGIRL erweist sich als gelungene Fortsetzung des neuen DC-Universums. Der Film verbindet rasante Science-Fiction-Action mit einer emotionalen Geschichte über Verlust, Identität und Neuanfänge. Vor allem Milly Alcock überzeugt in einer Interpretation der Figur, die zugleich verletzlich, schlagfertig und kompromisslos ist. Das Ergebnis ist ein unterhaltsames Weltraumabenteuer mit Herz, Humor und überraschend viel Tiefgang. Und eine Nachspannszene sucht man diesmal vergeblich.


