Mit ETERNALS präsentiert Marvel einen Film, der in gewisser Weise ein Wagnis ist. Denn die Eternals sind vom restlichen MCU relativ stark losgelöst und Figuren, die selbst bei Comic-Fans nicht sehr bekannt sind – aber das hat die GUARDIANS OF THE GALAXY auch nicht abgehalten, zum Kinohit zu werden. ETERNALS ist ein etwas anderes Biest, ein durchaus typischer MCU-Film, aber vielleicht auch wegen Chloe Zhao (NOMADLAND) Hand etwas mehr als das. Denn der Film hat auch durchaus echte Anflüge eines Dramas. Bestes Beispiel ist dafür die von Angelina Jolie gespielte Thena, die von so vielen Erinnerungen heimgesucht wird, dass sie häufig Freund von Feind nicht unterscheiden kann und sich gegen die Ihren stellt. Das ist ein mentales Handicap, das man noch bei keinem MCU-Helden gesehen hat, das aber dazu beiträgt, die Eternals zu vermenschlichen. Und dabei sind sie eigentlich gottgleiche Gestalten.

Die Geschichte beginnt vor 7.000 Jahren. Die Eternals werden vom dem Celestial Arishem auf die Erde geschickt, um dort gegen die Deviants zu kämpfen, mörderische Kreaturen, die es auf die noch junge Menschheit abgesehen haben. Die Eternals mischen sich in der Menschheitsgeschichte nie ein. Sie lassen sie ihre Kriege führen, ohne etwas zu tun. Nur vor den Deviants beschützen sie sie. Vor 500 Jahren wurde der letzte Deviant vernichtet, doch nun tauchen neue auf. Als einer der Eternals stirbt, müssen sie sich fragen, ob sie wirklich die Agenda ihrer Mission kennen.

ETERNALS funktioniert als großes episches Spektakel. Die Action ist – wie bei Marvel immer – superb. Neu ist, dass man bei den Eternals eine Art dysfunktionaler Familie hat, die nicht immer am selben Strang zieht. So wird erst ein großer Teil des Films darauf verwandt, die Familie zusammenzusammeln, nur um dann auf ein Hindernis zu stoßen, das sie gleich wieder zerreißen könnte. Daraus bezieht Zhao auch echtes Drama, das mit reichlich Humor unterfüttert ist. Die Komik ist nie selbstzweckhaft, sie ergibt sich aus den Figuren und den Situationen. Man spürt ihre Verbundenheit, aber auch die Tragik, die mancher Figur innewohnt, so etwa Sprite, die seit Tausenden von Jahren den Körper einer Zwölfjährigen hat.

Dies ist Marvels inklusivster Film, die Eternals sind nicht nur ethnisch divers besetzt, sondern warten mit Phastos auch mit dem ersten homosexuellen Helden des MCU auf. Die superschnelle Makkari wird von Lauren Ridloff gespielt, die wie ihre Figur taub ist. ETERNALS behandelt diese Diversität, ohne wirklich darauf zu achten. Hier ist es ganz normal, was eine schöne Botschaft ist. Im Englischen gefällt auch, dass alle Figuren ihre eigenen natürlichen Akzente haben, so etwa Richard Madden seinen schottischen.

Wie das bei Marvel üblich ist, wird auch viel vorbereitet. Die Figur von Kit Harington hat hier noch keinerlei Bedeutung. Comic-Kenner wissen natürlich, wer Dane Whitman ist. Ihm wird in Sequels wohl eine wichtigere Rolle zuteilwerden. Apropos Sequels: Während des Nachspanns gibt es zwei Sequenzen, die beide von großer Wichtigkeit sind. Die erste führt eine neue Figur ins MCU ein, die zweite hat dann mit Dane Whitmans Geheimnis zu tun.

Von Peter

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