A Walk through Hell ist Garth Ennis‘ erste Zusammenarbeit mit dem Kroaten Goran Sudzuka. Bekannt wurde Sudzuka im Jahr 2000 mit der Vertigo-Serie Outlaw Nation, die er zusammen mit Jamie Delano entwickelt hatte. Später arbeitete er immer dann für Y – The Last Man, wenn die Stammzeichnerin Pia Guerra eine Pause brauchte. Obwohl sogar ein Jahr älter als Garth Ennis, wurde er doch ein Fan des außergewöhnlichen Autors, der in den 1990er Jahren mit seiner ganz besonderen Mixtur aus rotziger Gewaltgeilheit, sehr schwarzem Humor, schrägen Ideen und ernsthaften Momente einige faszinierende Werke erschuf. So auch die Geschichte Heartland, die zwar eine Hellblazer-Figur aufgreift, aber eine sehr realistische Nordirland-Geschichte erzählt. Das war auch die erste Geschichte von Ennis, die Sudzuka las. Seitdem wollte er mit dem Nordiren zusammenarbeiten.
„Er ist der Traum eines jeden Zeichners“, erklärte Sudzuka im Hollywood Reporter. „Er ist professionell, sehr passioniert und weiß genau, was er will. Seine Skripte sind sehr verständlich und seine Anmerkungen zu meinen Zeichnungen auf den Punkt – und innerhalb von Minuten zurückgeschickt. Er ist der perfekte Partner.“
Sudzuka ist der Meinung, dass Ennis niemals zuvor etwas geschrieben hat, das so subtil ist – und er hat Recht, wenn man die phantastischen Stoffe des Autors in Betracht zieht. Gerade in der Frühphase seines Schaffens hat er aber auch Geschichten erzählt, die ganz und gar in der Realität verankert waren, wie etwa Zerrissene Herzen, das vor Urzeiten hierzulande bei Bastei verlegt wurde. Aber was Ennis‘ übernatürliche Geschichten betrifft, stimmt es durchaus. Wo er ansonsten auch und gerade auf den Schockwert seiner Ideen setzt, ist es hier das Unfassbare, das nicht näher Bestimmte, das zwischen den Panels Passierende, das zur unheimlichen Stimmung der Geschichte beiträgt. Zumal Ennis sich auch Zeit lässt. Er präsentiert eine Prämisse und baut auf dieser langsam auf, ohne dass er zu viel auf einmal bekannt gibt.
Stattdessen feilt er an der Architektur seiner Geschichte und macht sie immer komplexer. Seine irgendwie zum Trademark gewordenen Ideen extremen Horrors gibt es aber auch hier – so bei dem FBI-Agenten, der nicht sterben kann und sich wieder und wieder und wieder in den Kopf schießt.
In den letzten Jahren hat Ennis vor allem Miniserien und abgeschlossene Geschichten geschrieben, der Langform, bei der er eine Erzählung in den unterschiedlichsten Facetten erforschen kann, hat er schon lange nicht mehr gefrönt. A Walk Through Hell hat das Zeug dazu, zu einem der großen Werke des Autors zu werden. Die Elemente sind alle da, auch die stimmungsvollen, von unheimlicher Atmosphäre getragenen Zeichnungen.
Der erste Band, „Das verlassene Lagerhaus“, kratzt erst an der Oberfläche. Darunter gibt es noch viel zu entdecken …


