Obwohl mit Preacher und The Boys gleich zwei seiner Stoffe als TV-Formate verfilmt wurden, hat der nordirische Autor Garth Ennis heutzutage längst nicht mehr dieselbe Bedeutung wie in den ausgehenden 1990er Jahren. Damals schrieb er nicht nur Preacher, sondern hatte auch mit der DC-Serie Hitman Erfolg und begann danach seine lange Zeit bei Marvels Punisher. Sein Desinteresse an klassischen Superhelden sorgte aber dafür, dass er langsam, aber sicher aus dem Kader an Top-Autoren herausrotierte, die für die großen Zwei tätig sind.
Stattdessen hat Ennis im Lauf der Jahre das gemacht, was ihn persönlich anspricht. Bei verschiedenen Verlagen platzierte er Kriegs-Comics, die seine eigene Comic-Sozialisierung als Kind waren, dazu kamen Horror- und phantastische Stoffe. Da er eine Fanbasis und sein Name immer noch Zugkraft besitzt, sind kleinere Verlage wie Avatar oder AfterShock an seinen Arbeiten interessiert. Für letzteren hat er A Walk Through Hell ersonnen, nachdem er zuvor dort die Kriegsgeschichte Daring Eagles erzählt und mit Jimmy’s Bastards seine ganz ureigene Version von James Bond abgeliefert hat. A Walk Through Hell ist eine Miniserrie konzipiert, die hierzulande von Cross Cult publiziert wird.
Die Geschichte beginnt in einem kalifornischen Lagerhaus, in das die FBI-Agenten Shaw und McGregor gehen, weil dort zwei Kollegen verschwunden sind. Dort geht jedoch nicht alles mit rechten Dingen zu. Beide erkennen, dass etwas mit ihnen passiert ist. Bei keinem von ihnen ist noch ein Puls auffindbar, einer ihrer Kollegen taucht wieder auf, befindet sich aber in einem Stadium des ewigen Selbstmords und Shaw hört die Stimme eines Mannes, der unmöglich da sein kann.
Das alles hat mit einem höchst traumatischen Fall zu tun, an dem Shaw und McGregor gearbeitet haben. Darum gibt es um entführte, sehr wahrscheinlich getötete Kinder und einen Täter, der den FBI-Agenten immer einen Schritt voraus war.
Das ganze Ausmaß dessen, dem sich die FBI-Agenten stellen müssen, kommt erst im Verlauf der Geschichte zum Tragen, wobei der Hauch eines Mysteriums immer gegeben ist. In Rückblicken erfährt man mehr darüber, was die Agenten in dem früheren Fall getan haben, was wiederum dem Verständnis der gegenwärtigen Handlung zuträglich ist – ohne, dass Ennis alle Karten auf den Tisch legen würde.
Dem Hollywood Reporter erzählte Ennis: „Es ist lange her, seit ich eine Horror-Geschichte gemacht habe. Caliban war zum Teil auch Science Fiction, meine letzte echte Horror-Geschichte war dann wohl Crossed im Jahr 2008. Das entstand zum Teil aus meiner Reaktion auf die Bush-Ära heraus und drehte sich um das Thema Chaos und das Gefühl des Verlassenwerdens. A Walk Through Hell ist eher meine Reaktion auf die derzeitige Administration. Es geht um Korruption, um falsche Taten und das Aufkeimen von etwas Bösen, das lange in Schach gehalten worden ist. Ich hatte das Gefühl, dass es an der Zeit ist, wieder einen Blick in die Dunkelheit zu werfen.“


