Zu Beginn der neuen Realserie „Lucky Luke“ erscheint eine Widmung an die Comic-Schöpfer Morris und René Goscinny. Sie wirkt wie ein vorbeugender Schutzschild gegen Kritik – denn die Serie entfernt sich deutlich von der Vorlage. Statt bekannte Geschichten zu adaptieren, setzt sie auf eine eigene Handlung. Dabei bleibt unklar, ob sie als ernste Neuinterpretation oder als humorvolle Hommage funktionieren will. Letztlich gelingt weder das eine noch das andere.
Im Zentrum steht Lucky Luke, der zu einem Duell antreten soll. Doch ein Schlangenbiss in die Hand setzt ihn außer Gefecht: Der berühmte Revolverheld kann nicht mehr schnell ziehen. Unterstützung erhält er von einem Mädchen, das im Gegenzug seine Hilfe benötigt. Es ist auf der Suche nach seiner Mutter, die Luke aus der Vergangenheit kennt.
Die Suche gestaltet sich kompliziert. Selbst Joe Dalton wird einbezogen, leidet jedoch unter Gedächtnisverlust. Parallel taucht Billy the Kid auf – inzwischen erwachsen und kaum wiederzuerkennen. Die Serie verknüpft diese Figuren zu einer eigenen, von den Comics losgelösten Handlung.
Optisch orientiert sich die Serie an klassischen europäischen Western. Gedreht wurde im spanischen Almería, einem bekannten Schauplatz des Italo-Westerns. Entsprechend rau und staubig wirkt die Inszenierung, inklusive Gewaltmomenten. Zeitweise entsteht der Eindruck einer ernsthaften Neuinterpretation.
Dem gegenüber stehen humoristische Elemente, Wortspiele und slapstickartige Szenen, die stilistisch nicht immer passen. Der Ton schwankt stark, ohne eine klare Linie zu entwickeln. Die Serie wirkt dadurch uneinheitlich und findet keinen eigenen Rhythmus.
Zwar greift die Produktion einzelne Motive der Comics auf, verzichtet jedoch auf deren erzählerische Stärke. Statt bewährter Geschichten entsteht eine wenig originelle Handlung, die das Potenzial der Vorlage kaum nutzt. Der Versuch, „Lucky Luke“ neu zu erfinden, führt eher zu einer beliebigen Variante des Originals.
Die Serie bleibt hinter den Möglichkeiten zurück. Wer den Charme und Humor von „Lucky Luke“ erleben möchte, ist mit den klassischen Comics besser bedient.


