Es gab tatsächlich Zeiten, da war man nicht wirklich gut informiert, was an Comics in nächster Zeit so herauskommt. Das Internet war in seiner Breite noch weit entfernt, Fachmagazine gab es nur wenige. Und so trug es sich im Februar 1997 zu, dass ich auf einer wirklich winzigen Comic-Börse in Salzburg war, die Longboxen durchwühlte und vor allem nach US-Comics Ausschau hielt. Der Händler zeigte mir dann aber zwei neue deutsche Heftserien: Spider-Man und X-Men. Beide von Panini, beide im Großband-Format, beide so, wie man das auch von US-Comics her kannte, nur mit doppeltem Umfang. Die Normaledition hatte er nicht mehr vorrätig, die Sonderausgabe mit einem vergoldeten Schriftzug und etwas stabilerem Einband hatte er aber noch – die X-Men kamen übrigens versilbert daher. Die Hefte waren als „Sonderedition“ auf 3.000 Stück limitiert – von solchen Auflagen kann man heute auch bei den Normalausgaben nur noch träumen.

Ich griff also zu und konnte es kaum erwarten, zu Hause mit dem Lesen zu beginnen. Das Schöne an Spider-Man war, dass die Reihe nahtlos an die bis 1996 erschienene Serie des Condor Verlags anschloss. Das heißt, man befand sich am Anfang der Klon-Saga, die durchaus umstritten ist, bei Leuten meiner Altersriege aber auch herrlich nostalgische Gefühle heraufbeschwört.

Bei den X-Men wiederum stieg man ein, lange, nachdem die letzten Hefte bei Condor in den Taschenbüchern oder den Magazinen veröffentlicht worden waren. Es war dennoch toll, Hefte in den Händen zu halten, die mit dem mithalten konnten, was ich seit Jahren von den US-Comics her kannte. Mit der lieblosen Condor-Umsetzung konnte ich da schon lange nichts mehr anfangen.

Damals, vor fast 30 Jahren, hätte ich nicht gedacht, dass sich der deutsche Comic-Markt so entwickeln würde. Nachdem der Dino Verlag mit DC-Serien den Startschuss gegeben hatte, legte Panini mit Marvel nach. Spider-Man und X-Men brachten es auf jeweils 47 Ausgaben. Danach folgte ein Neustart – und dem noch viele andere, so dass es im Rückblick schon schwierig wird, die Chronologie zu verfolgen. Der Fluch der neuen Nr. 1 suchte nicht nur die amerikanischen Verlage, sondern auch Panini heim. Aber mit diesen beiden Heften begann es vor einem Vierteljahrhundert. Was danach folgte, kann man nur als ein Goldenes Zeitalter beschreiben. Eine derartige Auswahl und Vielfalt gab es zuvor nie.

Von Peter

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