Der Schnee war schmutzig
Autor/Zeichner: Georges Simenon, Jean-Luc Fromental, Yslaire;
Album, Hardcover, farbig, 104 Seiten.
Carlsen Verlag, 24,00 €
Kriegszeit. Der erst 18-jährige Frank Friedmaier wächst in einem Umfeld auf, das ihn früh prägt und moralisch abstumpfen lässt. Seine Mutter betreibt ein Bordell in der besetzten Hauptstadt, in dem einflussreiche Persönlichkeiten ein und aus gehen. Um diesem Milieu zu entfliehen, sucht Frank Zuflucht in zwielichtigen Kneipen, doch dort gerät er nur tiefer in eine Welt aus Kriminalität und Gewalt.
Was zunächst mit kleinen Delikten beginnt, entwickelt sich rasch zu einem Strudel aus Raub, Hehlerei und schließlich Mord. Skrupel kennt Frank kaum noch – selbst Sissy, die Nachbarstochter, für die er vermeintlich Gefühle hegt, wird von ihm hintergangen. Getrieben von einem Gefühl der Unantastbarkeit lehnt er sich schließlich sogar gegen die Obrigkeit auf, überzeugt davon, nichts mehr verlieren zu können. Doch diese Illusion erweist sich als fatal.
Mit „Der Schnee war schmutzig“ schuf Georges Simenon eine seiner persönlichsten und düstersten Geschichten. Geschrieben unter dem Eindruck des Todes seines Bruders, durchzieht den Roman eine beklemmende, melancholische Atmosphäre, in der Schuld, Verlorenheit und die ständige Präsenz des Todes zentrale Themen bilden.
Die Graphic-Novel-Adaption von Jean-Luc Fromental („Warten auf Maigret“) fängt diese düstere Grundstimmung eindrucksvoll ein. Unterstützt wird er dabei von den expressiven und stimmungsvollen Zeichnungen von Yslaire („Krieg der Sambre“), die die Kälte und Trostlosigkeit der erzählten Welt visuell greifbar machen.
Fazit: Ein beklemmendes, tiefgründiges Werk über moralischen Verfall und existenzielle Verlorenheit. In dieser gelungenen Adaption verschmelzen literarische Vorlage und grafische Umsetzung zu einem eindrucksvollen Gesamtbild – nichts für leichte Unterhaltung, aber umso nachhaltiger in seiner Wirkung. (UL)


