{"id":9995,"date":"2022-09-21T12:39:00","date_gmt":"2022-09-21T10:39:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/?p=9995"},"modified":"2022-09-04T12:42:51","modified_gmt":"2022-09-04T10:42:51","slug":"comic-alben-im-buchhandel-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/2022\/09\/21\/comic-alben-im-buchhandel-teil-1\/","title":{"rendered":"Comic-Alben im Buchhandel (Teil 1)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der klassische Vertriebsweg f\u00fcr Comics war in Deutschland \u00fcber Jahrzehnte hinweg der Kiosk. Das bot sich f\u00fcr die Hefte und Taschenb\u00fccher, aber auch f\u00fcr Alben im Stil eines <em>Asterix<\/em> und <em>Lucky Luke<\/em> an, weil hier Auflagen gefahren werden konnten, von denen heutige Comic-Verlage nur noch tr\u00e4umen \u2013 und in Relation wurde auch reichlich von dieser Auflage verkauft. An diesem Weg war nicht zu r\u00fctteln, er war praktisch in Stein gemei\u00dfelt, aber es gab einen Markt, der geradezu darauf wartete, erobert zu werden \u2013 auch wenn diesem das vielleicht gar nicht bewusst war: der Buchhandel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die g\u00e4ngigen Verlage wie Bastei, Condor oder Ehapa war der Buchhandel in den 1980er Jahren gar kein erstrebenswertes Ziel. Ihre Produkte waren auf Masse ausgelegt und lebten davon, bundesweit in Kiosken, Superm\u00e4rkten und Zeitschriftenl\u00e4den gefunden und gekauft zu werden. Aber bei Carlsen w\u00e4hlte man einen anderen Ansatz, der im Grunde aus der Notwendigkeit heraus geboren worden ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn die Art, wie Carlsen seine Produkte gestaltete, war nicht dazu angetan, mit Auflagen von mehreren zehntausend St\u00fcck an den Kiosk zu gehen. Vielmehr wandte man sich an eine Klientel, die den Comic nicht als Massenware begriff, sondern als Kunstform sah. Entsprechend anspruchsvoller waren die W\u00fcnsche dieser Kunden, denen man auch in der Pr\u00e4sentation Rechnung trug.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man vertrieb die Alben, die sich schon des Handletterings wesentlich von den Kioskprodukten unterschieden, aber auch in einer ganz anderen Preisstruktur beheimatet waren, an den Fachhandel, der damals noch l\u00e4ngst nicht so stark vertreten war wie in sp\u00e4teren Jahren. Das allein war aber auch nicht ausreichend. Bei Carlsen wollte man den Buchhandel erobern, entsprechend dem eigenen Anspruch, da man im Grunde nicht nur Comics, sondern graphische Literatur zu offerieren hatte. Sozusagen die Graphic Novel, lange bevor dieser Begriff hierzulande irgendeine Bedeutung hatte.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><a href=\"https:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/tim-und-struppi-13-der-sonnentempel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"764\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/tim-und-struppi-13-der-sonnentempel-764x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9996\" srcset=\"https:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/tim-und-struppi-13-der-sonnentempel-764x1024.jpg 764w, https:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/tim-und-struppi-13-der-sonnentempel-224x300.jpg 224w, https:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/tim-und-struppi-13-der-sonnentempel-768x1030.jpg 768w, https:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/tim-und-struppi-13-der-sonnentempel.jpg 1057w\" sizes=\"auto, (max-width: 764px) 100vw, 764px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Buchhandel erwies sich aber als wehrhaft, denn einen eigenen Comic-Bereich gab es nicht. Die gro\u00dfen Klassiker, die im Buchhandel tats\u00e4chlich zu finden waren, waren andernorts eingereiht: <em>Tim und Struppi<\/em> bei den Kinderb\u00fcchern, <em>Asterix<\/em> im Bereich Kultur und <em>Werner<\/em> bei den Cartoons. Die Titel mit der gr\u00f6\u00dften Anziehungskraft, die tats\u00e4chlich auch im sechsstelligen Bereich verkauften, waren dem Comic also im Grunde fl\u00f6ten gegangen. In den Buchhandel vorzudringen, war darum ein schwieriges Unterfangen, das vor allem von Carlsen betrieben wurde, das damit auch den Boden f\u00fcr alle anderen bereitete.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den fr\u00fchen 1980er Jahren war es vor allem der Fachhandel, der sich mit Comics, die sich an ein erwachsenes Publikum richteten, aber nicht pornographischer Natur waren, entfaltete. Dazu kamen die Versuche von Carlsen, im Pressebereich Fu\u00df zu fassen, aber die unter dem Semic-Signet vertriebenen Alben, die popul\u00e4re Inhalte wie <em>Gaston<\/em> oder <em>Die Schl\u00fcmpfe<\/em> hatten und inhaltlich den Carlsen-Alben entsprachen, aber deutlich g\u00fcnstiger waren, verfingen nicht wirklich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um jedoch im Buchhandel pr\u00e4senter zu werden, bedurfte es nicht nur einer ganzen Reihe von Handelsvertretern, die f\u00fcr Carlsen schon mit den Pixie-B\u00fcchern, <em>Petzi<\/em> und anderen Kinderb\u00fcchern die Buchhandlungen abklapperten, sondern auch einiger innovativer Ideen. Denn auch im Buchhandel herrschte ein Motto vor, das f\u00fcr so viele und so vieles im Leben gilt: \u201eWas der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.\u201c<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/A4794000gaston_1986_1jpg_600x600.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"250\" height=\"273\" src=\"https:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/A4794000gaston_1986_1jpg_600x600.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9997\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und nun sollte der Buchhandel endlich Geschmack an hochwertigen Comics erhalten. Die Schl\u00fcsselfigur bei Carlsen war hier Klaus M. Mrositzki, der von 1984 bis 1988 f\u00fcr den Verlag t\u00e4tig war und die Umstellung von halbj\u00e4hrlicher auf monatlicher Novit\u00e4ten-Belieferung vorantrieb. Erst dadurch hatte der Verlag ein Instrument in der Hand, mit dem man auch dem Buchhandel begegnen konnte, denn dort war man dieses System von den Taschenbuchverlagen gew\u00f6hnt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allerdings bestand immer noch das Problem, dass Buchhandlungen ganze Nischen f\u00fcr Comics r\u00e4umen mussten, wenn sie sich denn entschieden, denn sie verpflichteten sich zur Abnahme einer festen Menge von Neuheiten und Katalogtiteln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein wichtiges Element waren hier auch die die Drehst\u00e4nder, die ab 1984 den H\u00e4ndlern angeboten wurden. Sie waren mit Bestellung einer bestimmten Menge von Titeln \u2013 25 Alben aus dem Programm \u2013 gratis, kosteten ansonsten aber an die 200 D-Mark. Der Clou an diesen Drehst\u00e4ndern war, dass sie nicht sehr platzintensiv waren, aber jede Menge Alben fassen konnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das erlaubte es auch kleineren L\u00e4den, in das Gesch\u00e4ft mit den Comics einzusteigen. Zum Ende der 1980er Jahre, als Carlsen der Platzhirsch im Buchhandelsgesch\u00e4ft mit Comics war, kam es so auch, dass selbst in kleinen Zeitschriften- und Schreibwarenl\u00e4den in Kleinst\u00e4dten der Verlag mit seinen Drehst\u00e4ndern vertreten war \u2013 und so eine ganz neue Klientel, die zu jung war, um Carlsen anderweitig zu kennen, aber nun per Zufall auf die Publikationen traf, angesprochen werden konnte.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/9783551025715-de.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"373\" height=\"500\" src=\"https:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/9783551025715-de.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9998\" srcset=\"https:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/9783551025715-de.jpg 373w, https:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/9783551025715-de-224x300.jpg 224w\" sizes=\"auto, (max-width: 373px) 100vw, 373px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Variation dieses Drehst\u00e4nders war sp\u00e4ter auch die noch heute eingesetzte, recht kultige Carlsen-Rakete, die der Rakete nachempfunden war, mit der Tim und Struppi im Album <em>Reiseziel Mond<\/em> ihr Abenteuer bestritten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dr. J\u00fcrgen H\u00fcbner, der Mrositzki nachfolgte und von 1989 bis 1995 als Vertriebsleiter f\u00fcr Carlsen t\u00e4tig war, konnte das sogar noch ausbauen, indem er gr\u00f6\u00dferen Buchhandlungen S\u00e4gezahnw\u00e4nde anbot, die genau auf die Alben ausgelegt waren und zus\u00e4tzlich mit dem \u201eCarlsen Comics\u201c-Branding versehen waren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der klassische Vertriebsweg f\u00fcr Comics war in Deutschland \u00fcber Jahrzehnte hinweg der Kiosk. 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