{"id":3976,"date":"2015-08-02T01:46:21","date_gmt":"2015-08-01T23:46:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicecke.de\/?p=3976"},"modified":"2015-08-02T20:39:53","modified_gmt":"2015-08-02T18:39:53","slug":"raymond-martin-ueber-seinen-werdegang-und-wie-die-erwachsenen-comics-nach-deutschland-kamen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/2015\/08\/02\/raymond-martin-ueber-seinen-werdegang-und-wie-die-erwachsenen-comics-nach-deutschland-kamen\/","title":{"rendered":"Raymond Martin \u00fcber seinen Werdegang und wie die Erwachsenen-Comics nach Deutschland kamen"},"content":{"rendered":"<p>Raymond Martin, der einst den Volksverlag gegr\u00fcndet hat und Herausgeber von U-COMIX, SCHWERMETALL, PILOT, VAMPIRELLA, FOTO-COMICS, WITZBOLD, HINZ &amp; KUNZ und COMICS F\u00dcR ERWACHSENE war, hat uns freundlicherweise dieses Interview mit ihm zur Verf\u00fcgung gestellt. Es entstand f\u00fcr den dritten Band der Sekund\u00e4rreihe \u00fcber Richard Corben.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/ray.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-3983\" alt=\"ray\" src=\"http:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/ray-300x237.jpg\" width=\"300\" height=\"237\" srcset=\"https:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/ray-300x237.jpg 300w, https:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/ray-1024x810.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Raymond Martin im Mai 2015 \u00a0Photo: Jutta Hofmann<\/p>\n<p><strong>Nach dem B\u00e4r Verlag und Pabel hast Du als einer der ersten in Deutschland schon 1974 begonnen, Comics von Corben herauszugeben. Woher kanntest Du sein Material und wie lief das damals mit den Abdruckrechten und Vorlagen? Schlie\u00dflich war das abgedruckte Material aus unterschiedlichen Magazinen wie ANOMALY, SKULL COMICS, UP FROM THE DEEP, FEVER DREAMS, FANTAOR und vielen anderen.<\/strong><\/p>\n<p><em>Antwort:<\/em>\u00a0Bekanntlich bin ich 1953 in Berlin Neuk\u00f6lln in eine eher bildungsferne Familie hineingeboren. In diesen Kreisen stand man den Comic-Heftchen nicht so kritisch gegen\u00fcber, wie das Bildungsb\u00fcrgertum. Ich war fr\u00fch an allen m\u00f6glichen Comics interessiert (au\u00dfer Nick im Weltraum!), Kauka, Disney, Akim, Tibor, Falk etc aber auch an \u201eIllustrierte Klassiker\u201c. Mit der Pubert\u00e4t verlor ich Interesse daran und wand mich den M\u00e4dchen zu. Mit 15 Jahren half ich ein bisschen bei der Entstehung einer unabh\u00e4ngigen Sch\u00fclerzeitung\u00a0 (Paradox) und gr\u00fcndete mit 16 eine kleine Zeitschrift f\u00fcr Amateur-Lyrik, -Prosa und \u2013Grafik (ex-libris), mit der ich allerdings nach der zweiten Ausgabe meine erste Pleite hinlegte.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/rowlf.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-3979\" alt=\"rowlf\" src=\"http:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/rowlf-226x300.jpg\" width=\"226\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/rowlf-226x300.jpg 226w, https:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/rowlf.jpg 482w\" sizes=\"auto, (max-width: 226px) 100vw, 226px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Von 1974 bis Januar 1985 hatte Corben eine verlegerische Heimat in Deutschland beim Volksverlag. Rund 600 Seiten sind damals alleine in SCHWERMETALL ver\u00f6ffentlicht worden. Neben MOEBIUS und DRUILLET geh\u00f6rte er zu DEN K\u00fcnstlern in Deinem Verlag. Dass er so bekannt wurde, ist meiner Meinung Dein Verdienst, wie auch der Umstand, dass Du als erster erfolgreich auf \u201eErwachsenencomics\u201c gesetzt hast, die sich deutlich vom damaligen Material der anderen Verlage wie CARLSEN oder EHAPA absetzten. Wie sch\u00e4tzt Du selbst r\u00fcckblickend Deine Rolle als Verleger und die Fr\u00fcchte Deiner T\u00e4tigkeit f\u00fcr die Comiclandschaft ein?<\/strong><\/p>\n<p>Inspiriert durch zwischenzeitliche Bekanntschaften mit THC und LSD, gr\u00fcndete ich mit 17 Jahren die Underground-Zeitung P\u00c4NG, die ich bis zur Ausgabe 13 im Jahre 1975 fast komplett allein machte und von den letzten Heften bis zu 7000 St\u00fcck verkaufte. (Ohne einen kommerziellen Pressevertrieb!) Die weltweiten Underground- und Alternativ-Zeitungen hatten sich damals zu einer lockeren Organisation zusammengetan, die sich UPS nannte: Underground Press Syndicate. Diese ca. 200 Mitglieder tauschen teilweise regelm\u00e4\u00dfig und viele Jahre lang gegenseitig die Hefte aus, d.h. ich schickte von jeder Ausgabe je ein Heft an alle und bekam regelm\u00e4\u00dfig ca. 50 verschiedene Hefte aus USA, Canada, Australien etc. Eines der Prinzipien von UPS war, dass alle Mitglieder alles von den anderen kostenfrei nachdrucken durften. So hatte ich in meiner P\u00c4NG schon 1969 den ersten deutschsprachigen Artikel drin, der das Thema Umweltschutz politisierte:\u00a0<em>Die \u00d6kologie der<\/em>\u00a0<em>Revolution<\/em>. Wahrscheinlich war damals der Begriff in den deutschen Redaktionen der b\u00fcrgerlichen Verlage noch v\u00f6llig unbekannt.<\/p>\n<p>Was ich auch zum ersten Mal durch eben diese US-Undergroundzeitungen kennenlernte, waren Underground-Comix, wie z.B. die FREAK BROTHERS von Gilbert Shelton oder FRITZ THE CAT und MR. NATURAL von Robert Crumb, die ich zum ersten Mal in die deutsche Sprache \u00fcbersetzte und in P\u00c4NG ver\u00f6ffentlichte. Die Strips kamen bei der Leserschaft so gut an, dass ich 1970 ein eigenes kleines Comic-Magazin mit dem Namen U-COMIX drucken lie\u00df. Es verkaufte sich dreimal schneller als P\u00c4NG und so wurde es zum Beginn meiner Karriere als Comic-Verleger.<\/p>\n<p>In den UPS-Zeitungen, die hier stapelweise herumlagen fand ich dann Anzeigen von<\/p>\n<p>Versendern von Underground-Comix\u00a0 wie SKULL, FANTAGOR oder ANOMALY, durch die ich mit den fr\u00fchen Meisterwerken von Richard Corben in Ber\u00fchrung kam. Besonders begeistert war ich von der Kurzgeschichte \u201eWhen dreams collide\u201c, die meine Vorurteile zu jeder Art von Pfaffen und christlicher Zwangsmoral best\u00e4tigte. Diese, sowie andere schwarz-wei\u00dfe Comics wurden damals einfach \u00fcbersetzt und nachgedruckt, ohne Vertr\u00e4ge oder \u00fcberhaupt Kontaktaufnahme zum Zeichner. Man war eben Underground.<\/p>\n<p>Ich kann meine Rolle als Verleger und Pionier der Erwachsenencomics schlecht selbst einsch\u00e4tzen, das m\u00fcssen schon solche Leute wie Du \u00fcbernehmen. Wenn ich es nicht gemacht h\u00e4tte, w\u00e4re wahrscheinlich irgendwann ein Porno-Verlag oder so darauf gekommen. Mir hat es jedenfalls viel Spa\u00df gemacht, meine Leser zu belustigen oder zu schocken und damit noch richtig gut Geld verdienen zu k\u00f6nnen. Ohne die ca. 200 Comic-Alben und ebenso vieler Magazin h\u00e4tte ich niemals mein kleines alternatives und esoterisches Sortiment im Volksverlag finanzieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/schwer.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3980\" alt=\"schwer\" src=\"http:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/schwer.jpg\" width=\"212\" height=\"300\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Als die Pl\u00e4ne f\u00fcr SCHWERMETALL reiften, bist Du von Leonard Mogel l\u00e4chelnd abgewimmelt worden. Trotzdem hast Du Dich von Deinem Weg nicht abbringen lassen und \u00fcber Dionnet einen Vertrag abschlie\u00dfen k\u00f6nnen. Was hast Du f\u00fcr Erinnerungen an die Vertragsverhandlungen und worin lag der Unterschied zwischen den beiden.<\/strong><\/p>\n<p>Ich erinnere mich nicht, mit einem Leonard Mogel jemals verhandelt zu haben. Jean-Pierre Dionnet hingegen, der Herausgeber von METAL HURLANT ist mir noch sehr gut in Erinnerung. Er war ein Freak wie ich, kreativ und witzig, intelligent und unangepasst. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden und vertraut. Auf der Frankfurter Buchmesse zeigte er mir mal einen riesigen Stapel Film-Dublicates von Comics-Serien aus seinem Magazin, die er f\u00fcr die Herausgeber des US-Magazins HEAVY METAL hergestellt hatte. Im drauffolgenden Jahr wieder zur Messezeit fragte ich ihn dann, was aus dem Deal mit den Amis geworden ist, worauf er antwortete, sie h\u00e4tten bis heute nicht einen Pfennig bezahlt. Meine Entr\u00fcstung im Sinne von \u201ewas sind das nur f\u00fcr Gangster\u201c beantwortete er ganz cool: \u201edas sehen wir in Europa so, in Amerika nennt man das klevere Gesch\u00e4ftsleute\u201c. Jean-Pierre schrieb mir mal, dass ich mit SCHWERMETALL das \u201eMutter-Magazin\u201c \u00fcberholt habe und meine Produktion besser sei, als das Vorbild. Ich war \u00f6fters in Paris in seinem B\u00fcro und traf sogar Jean Giraud M\u00f6bius pers\u00f6nlich in einem Nebenraum, der gerade neue Original ablieferte. Auch er sprach mir seine Bewunderung daf\u00fcr aus, dass ich seine Sachen so authentisch ver\u00f6ffentliche, in dem Geist, den er beabsichtigte zu vermitteln.<\/p>\n<p><strong>DEN sollte eigentlich in STAR FANTASY, nach eigenen Verlagsangaben das deutsche \u201eTochter\u201c-Magazin von HEAY METAL, erscheinen, wo schon die ersten Seiten von 1001 NACHT ver\u00f6ffentlicht worden waren und DEN bereits \u00fcbersetzt worden sein soll. 1978 hattest Du dann aber die Nase vorn, als DEN im Volksverlag als Album raus kam. Kannst Du erz\u00e4hlen, wie es dazu kam?<\/strong><\/p>\n<p>Das erste Comic-Album mit farbigen Corben-Episoden konnte ich ebenso wie die beiden DEN-Alben nur produzieren, weil ich mit dem katalanischen Verleger Jos\u00e9 Toutain befreundet war, der in Barcelona Magazine und Alben druckte. Er bot mir die Mitproduktion von \u201eDie au\u00dfergew\u00f6hnliche Welt des Richard Corben\u201c als Joint Venture an, d.h. es wurden 20.000 mal alle Farben gedruckt und dann jeweils 5000 mal in schwarz die spanischen, englischen, franz\u00f6sischen und deutschen Konturen und Texte. Dadurch kostete das Buch nur eine Mark inkl. Transport in meine Lagerhalle, was bei einer alleinigen deutschen Produktion mindestens viermal so teuer gewesen w\u00e4re. Solche Coproduktionen mit anderen L\u00e4ndern habe ich sp\u00e4ter des \u00d6fteren gemacht. Ich hatte auch deswegen immer die Nase vor anderen Verlegern, weil mich die Ausl\u00e4nder pers\u00f6nlich sehr sympathisch fanden. \u00dcbrigens auch der alter Herr Dargaud von dem gleichnamigen Pariser Verlag (Asterix, PILOT etc). Der fragte seine Auslandsagentin immer wieder mal nach mir: \u201ewas macht denn der deutsche Anarchist so?\u201c In Frankreich war Anarchist in den 70er Jahren kein Schimpfwort.<\/p>\n<p><strong>Mit Michal Hau und Gerhard F\u00f6rster hast du dir zwei Topleute f\u00fcr das Lettering geholt. Vor allem den Nachdrucken von DEN und ROWLF kam das zugute. Wie konntest du die beiden verpflichten? (Anmerkung: Die Story \u00fcber Hau wegen Menschenblut kenne ich nur ger\u00fcchteweise und wollte gerne mal aus erster Hand h\u00f6ren\/lesen)<\/strong><\/p>\n<p><strong><em><\/em><\/strong>Weil ich gut bezahlt habe und die Geld gebraucht haben. Menschenblut sagt mir nichts.<\/p>\n<p><strong>Rund 40 Indizierungen aus dem Volksverlagsprogramm (Ich muss die exakte Zahl noch mal recherchieren) &#8211; \u00fcber 200.000.- DM soll der Schaden an Ausf\u00e4llen und Anwaltskosten betragen haben. Gibst du der Bundespr\u00fcfstelle eine Mitverantwortung am Ende des Volksverlags?<\/strong><\/p>\n<p>Die Summe ist wohl eher fiktiv. Man kann doch niemals voraussagen, wie viele Auflagen man noch h\u00e4tte verkaufen k\u00f6nnen, wenn es nicht zur Indizierung und damit zum eingeschr\u00e4nkten Verkauf gekommen w\u00e4re. Aber sicher war das ein kleiner Beitrag zum wirtschaftlichen Niedergang des Volksverlages. Haupts\u00e4chlich waren es aber viele Produktionen, die mehr Geld gekostet haben, als sie einbrachten, z.B. die Serien PILOT und WITZBOLD. Auch die Magazine SCHWERMETALL und VAMPIRELLA haben sich Mitte der 1980er nicht so richtig bombig verkauft. Was immer am Besten lief, war U-COMIX, das hatte die h\u00f6chsten Verkaufszahlen.<\/p>\n<p><strong>Ende der 80er bist du als \u201eRaymond Martin Verlag\u201c noch einmal kurz mit Corben-B\u00fcchern auf den Markt getreten. Welche Gr\u00fcnde gab es daf\u00fcr, dass die Episode so kurz war.<\/strong><\/p>\n<p>Ich hatte zuwenig Kapital, um Material f\u00fcr mehr gute Produktionen zu kaufen. Der Comic Verkauf wurde immer schwieriger und ich habe mich mehr dem Merchandising und Textilien zugewandt, weil es spannend war, mal was Neues zu machen. Dieser Markt ist hundert mal gr\u00f6\u00dfer, als der Comic Markt<em>.<\/em><\/p>\n<p><strong>Ein abschlie\u00dfender R\u00fcckblick auf die Wirkungen von UPN\/Volksverlag auf die, die nach dir kamen\u2026<\/strong><\/p>\n<p>Mein Volksverlag, das Marketing, die Produkte hatten alle eine Art nonkonformer Handschrift. Alles wurde von mir getextet, gestaltet und geformt. Allein die Zusammenstellung des Verlagsprogramms (von Esoterik bis Sex-Comics) hatte einen eigenartigen Charakter,den kein Verlag vorher oder hinterher erreichte. Auch waren die von anderen Verlagen weitergef\u00fchrten Magazine nicht mehr das, was sie mal ausgemacht hatten. Was auch damit zu tun hatte, dass den Genies aus USA und Frankreich nicht mehr so tolle Sachen einfielen im Alter. Und die neuen Comics haben einfach nicht mehr den Flair gehabt, siehe Corben.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/den.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3981\" alt=\"den\" src=\"http:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/den.jpg\" width=\"197\" height=\"255\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Gerade bei zwei Corben Geschichten ist mir aufgefallen, dass diese in Deinen Vorworten besonders viel Kritik abbekamen: Einmal war es DEN II, zum anderen hast Du JEREMY BROOD geradezu in der Luft zerrissen, obwohl Corben sonst von Dir au\u00dferordentlich viel Lob bekam. Gerade bei der letzten Geschichte warst Du am Anfang noch ganz begeistert.<\/strong><\/p>\n<p><strong><\/strong> Zuerst war ich von den Inhalten, sp\u00e4ter auch von den Formen und Farben der Corben-Comics begeistert. Meine Kritik zu DEN 2 bezog sich auf den Inhalt, weil ihm eben einfach nichts mehr einfiel, er hatte sein Schema und musste halt irgendwas liefern, weil der Markt danach fragte. Bei JEREMY BROOD turnte mich auch noch die Form ab, die Zeichnungen wirkten hingeschludert, die Farbgebung war wahrscheinlich von Angestellten oder sogar schon Computern gemacht. \u00dcberhaupt sind die meisten Comic-Zeichner, die mich fr\u00fcher begeistert haben, immer schlechter geworden. Seitdem alles nur noch am Bildschirm gefertigt wird, kann ich mit Comics gar nichts mehr anfangen.<\/p>\n<p><strong>Mit MUTANTEN WELT, ROWLF und DIE AUSSERGEW\u00d6HNLICHE WELT DES RICHARD CORBEN wurden alleine drei Titel von Corben von der Bundespr\u00fcfstelle indiziert. \u00a0Die hatten sich richtig auf Deine Comics eingeschossen. Setzt man sich mit den Beschl\u00fcssen auseinander, so sind diese extrem schwach und zeugen von Unkenntnis und Ignoranz was Comics und K\u00e4uferschichten angeht. Wie schwer hat Dich der Dauerbeschuss aus Bonn wirtschaftlich getroffen?<\/strong><\/p>\n<p>Eine Zeit lang war mein Volksverlag der am meisten indizierte Verlag von ganz BRD. Welche wirtschaftlichen Folgen das hatte, kann man schwer bemessen. Vielleicht w\u00e4re bei dem einen oder anderen Buch eine weitere Auflage drin gewesen, wenn es nicht auf der Liste gelandet w\u00e4re. Viel mehr Verluste hatte ich durch die Diebst\u00e4hle meiner Angestellten und Mitarbeiter. Einer hat sich einen Nachschl\u00fcssel von dem Lagertor machen lassen und dann kam nachts ein LKW\u00a0 und sortierte ich palettenweise Comic-Alben ab. Soweit ich geh\u00f6rt habe, sollen es Gangster aus Frankfurt gewesen sein, die das dann vermarktet haben. Meinem Nachfolger Alpha-Verlag ging es \u00e4hnlich. Da kamen die Diebe aus dem Raum Stuttgart und haben sogar den Gabelstapler gleich mit geklaut. In beiden F\u00e4llen wurden niemals die T\u00e4ter ermittelt und wir blieben auf den hohen Verlusten sitzen. Da ich aber eher ein geistiger als ein materieller Mensch bin, gr\u00e4me ich mich deswegen nicht, sondern nehme es mit dem Geheimrat von Goethe:<\/p>\n<p>\u201eAuch das ist Kunst, ist Gottes Gabe,<\/p>\n<p>aus ein paar sommerhellen Tagen,<\/p>\n<p>sich soviel Licht ins Herz zu tragen,<\/p>\n<p>dass, wenn der Sommer l\u00e4ngst verweht,<\/p>\n<p>das Leuchten immer noch besteht.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Raymond Martin, der einst den Volksverlag gegr\u00fcndet hat und Herausgeber von U-COMIX, SCHWERMETALL, PILOT, VAMPIRELLA, FOTO-COMICS, WITZBOLD, HINZ &amp; KUNZ und COMICS F\u00dcR ERWACHSENE war, hat uns freundlicherweise dieses Interview mit ihm zur Verf\u00fcgung gestellt. Es entstand f\u00fcr den dritten Band der Sekund\u00e4rreihe \u00fcber Richard Corben. 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