{"id":10000,"date":"2022-09-23T12:42:00","date_gmt":"2022-09-23T10:42:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/?p=10000"},"modified":"2022-09-04T12:48:18","modified_gmt":"2022-09-04T10:48:18","slug":"comic-alben-im-buchhandel-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/2022\/09\/23\/comic-alben-im-buchhandel-teil-2\/","title":{"rendered":"Comic-Alben im Buchhandel (Teil 2)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Carlsen sorgt mit einem Kundenmagazin, aber auch mit verschiedenen Marketing-Aktionen und Signierstunden daf\u00fcr, den Comic als Teil des Buchhandels zu verankern. Bis zum Ende der 1980er Jahre befand sich der Verlag in der goldenen Position, dass er praktisch der einzige war, der den Buchhandel mit entsprechenden Produkten versorgte. Aber ein derartiger Erfolg weckt nat\u00fcrlich Begehrlichkeiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ehapa warb Klaus M. Mrositzki ab, der Carlsen 1988 verlie\u00df und bei den damaligen Stuttgartern begann, die Ehapa Comic Collection aufzubauen. Ehapa wollte nicht bei einem wichtigen Marktsegment abgeh\u00e4ngt werden und setzte nun darauf, ebenfalls den Buchhandel anzugehen. Dabei nutzte Mrositzki sein Know-How, um schnellstm\u00f6glich fl\u00e4chendeckend vertreten zu sein, inklusive Aktionen, die auch bei Carlsen schon funktioniert hatten: ein eigenes Kundenmagazin, gute Konditionen f\u00fcr die H\u00e4ndler und ein paar ganz schwere Gesch\u00fctze im Programm. Bei Ehapa waren dies die <em>Barks Library<\/em> und <em>Asterix<\/em>, aber damit allein l\u00e4sst sich kein Programm bestreiten.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/5876.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"760\" height=\"1000\" src=\"https:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/5876.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10001\" srcset=\"https:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/5876.jpg 760w, https:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/5876-228x300.jpg 228w\" sizes=\"auto, (max-width: 760px) 100vw, 760px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was folgte, war ein Konkurrenzkampf zwischen Carlsen und Ehapa, bei dem beide Verlage versuchten, m\u00f6glichst viele frankobelgische Titel aufzukaufen. Das Ergebnis war dabei, dass nicht mehr nur erstklassiges, sondern auch zweitklassiges Material zum Einsatz kam. Allerdings hatte Ehapa auch noch den Vorteil, zahlreiche Titel, die aus dem Pressevertrieb bekannt waren wie <em>Lucky Luke<\/em>, <em>Blueberry<\/em> oder <em>Isnogud<\/em> in edlerer Form zu pr\u00e4sentieren. Fans aus der Presseschiene wurden so in den Buchhandel gelockt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit gelang es Ehapa, die Dominanz von Carlsen zu brechen. Es pendelte sich etwas ein gleicher Wert ein, aber beide Verlage \u00fcberschwemmten den Markt auch. In der Spitze erschienen von Carlsen und Ehapa im Jahr etwa 250 Alben, dazu noch mal gut 100 Alben von kleineren Mitbewerbern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es war eine Goldgr\u00e4berstimmung, bei der die Verlage auch entsprechende Absatzmengen hatten und von Toptiteln h\u00f6here f\u00fcnfstellige Zahlen an den Mann gebracht wurden. Ein Problem war jedoch das \u00dcberangebot, das bald den Buchhandel, vor allem aber auch den K\u00e4ufer \u00fcberf\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Marktbereinigung fand statt, die auch dadurch beg\u00fcnstigt wurde, dass die gro\u00dfen Serien nach und nach zum Abschluss gebracht wurden, womit einige der Goldesel wegfielen, w\u00e4hrend neue Serien nicht den n\u00f6tigen Ersatz bieten konnten.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Hugo-PrattCorto-Maltese-Die-Suedsee-Ballade-Band-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"409\" src=\"https:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Hugo-PrattCorto-Maltese-Die-Suedsee-Ballade-Band-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10002\" srcset=\"https:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Hugo-PrattCorto-Maltese-Die-Suedsee-Ballade-Band-2.jpg 300w, https:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Hugo-PrattCorto-Maltese-Die-Suedsee-Ballade-Band-2-220x300.jpg 220w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Ende der 1990er Jahre fuhren viele Buchhandlungen ihr Engagement in Sachen Comic wieder deutlich zur\u00fcck. Was zuvor jahrelange Arbeit durch den Vertrieb erfordert hatte, damit \u00fcberhaupt Fl\u00e4che f\u00fcr die Pr\u00e4sentation von A4-Formaten geschaffen wurde, zerfiel nun nach und nach.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zugleich verlagerte sich der Erfolg der Comics wieder auf den Pressevertrieb, nun aber in einem anderen Format: dem Comic-Heft. Daran wollte auch Carlsen partizipieren, scheiterte aber im Wesentlichen durch eine schlechte Titelauswahl. Allerdings war am Horizont schon ein Hoffnungsschimmer zu sehen: der Manga.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sieht man sich heute in Buchhandlungen um, so ist ein eigener Bereich f\u00fcr den Manga ganz selbstverst\u00e4ndlich. \u00dcbrigens selbstverst\u00e4ndlicher als beim klassischen Album. Auch hier nahm Carlsen eine Vorreiterrolle ein, nachdem unter Andreas C. Knigge der japanische Comic <em>Dragon Ball<\/em> gekauft worden war. Dieser erschien als Taschenbuch, in japanischer Leserichtung und f\u00fcr einen vergleichsweise g\u00fcnstigen Preis von 9,95 Euro. Dazu wurde er sowohl im Pressegrosso als auch im Buchhandel lanciert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dazu sagte Andreas Wiedemann, der zu jener Zeit als Verlagsvertreter f\u00fcr Ehapa t\u00e4tig war, sp\u00e4ter aber auch f\u00fcr Carlsen arbeitete, im Gespr\u00e4ch mit Kristina Auer: \u201eEnde 1997 erschien bei Carlsen <em>Dragon Ball <\/em>im Taschenbuchformat f\u00fcr sage und schreibe nur DM 9,95. Das Ding wurde auch noch verkehrt herum publiziert, ich dachte anf\u00e4nglich, Knigge will Carlsen \u00e4rgern. Wie sich sp\u00e4ter erweisen sollte, hatte er aber den richtigen Riecher. Da Carlsen keine halben Sachen macht, wurde der Handel gleich mit Displays \u00e0 80 Exemplaren von <em>Dragon Ball<\/em> begl\u00fcckt, plus Folgelieferungen in den Monaten danach. Das floppte in der Breite des Buchhandels. Im Fachbuchhandel krallte sich <em>Dragon Ball <\/em>jedoch fest und konnte sich entwickeln. Das war durchaus eine Zeitenwende im deutschen Comicmarkt. Eine ausgemachte neue junge Zielgruppe, ein neues Format und ein Preisniveau, das zwischen den Presse- und den Buchhandelscomics lag, das hei\u00dft Faktor 1,5 zum Preis der <em>Lustigen Taschenb\u00fccher<\/em>. Hatten wir kurz vorher noch Bedenken, wie es zur Jahrtausendwende aussehen wird, kam nun Hoffnung auf.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei war dieser Schritt aus der Not heraus geboren worden, wie sich Joachim Kaps im Gespr\u00e4ch mit Volker Hamann erinnert: \u201eDie <em>Dragonball<\/em>-Presseausgabe war Hubert Bergmosers Verzweiflungstat. Das erinnere ich noch. Es war klar: Es gibt einen Vertrag, und danach mussten 30.000 Exemplare gedruckt werden. Das war damals so ziemlich das Absurdeste, was du dir \u00fcberhaupt vorstellen konntest. Und Andreas hatte sich, glaube ich \u2013 ich war da noch nicht da gewesen \u2013, sehr viel M\u00fche gegeben, diesen Vertrag hinzukriegen. <em>Dragon Ball<\/em> war immerhin der meistverkaufte Comic der Welt. Und den kriegst du nat\u00fcrlich nicht f\u00fcr ein \u00bbLass\u2019 uns erstmal gucken!\u00ab Und dann hast du da ein Vertriebsteam, das sagt: \u00bbAlso im Buchhandel kriegen wir \u2026 \u2013 Was hatten wir noch von <em>Alita<\/em>? \u2013 Da kriegen wir bestimmt 1500 Exemplare untergebracht.\u00ab Und dann hat Bergmoser in seiner Verzweiflung begriffen, dass er niemals die vereinbarte Auflage rauskriegen wird.\u201c<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/akira-1.webp\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"265\" height=\"405\" src=\"https:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/akira-1.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-10003\" srcset=\"https:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/akira-1.webp 265w, https:\/\/www.sammlerecke.de\/comicecke\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/akira-1-196x300.webp 196w\" sizes=\"auto, (max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit wurde auch eine neue Leserschaft angesprochen, da mit dem Manga deutlich mehr M\u00e4dchen und junge Frauen f\u00fcr den Comic geworben wurden. Der Manga hat dar\u00fcber hinaus im Buchhandel einen immensen Vorteil: Die Regale sind dort auf Taschenb\u00fccher ausgerichtet, weswegen mit Leichtigkeit diese Schiene ausgebaut werden konnte, w\u00e4hrend f\u00fcr die hochformatigen Alben Umbauten vonn\u00f6ten waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Auflagen waren dabei auch h\u00f6her als bei frankobelgischen Alben, obschon sich das mit einer immer gr\u00f6\u00dferen Titelflut auch etwas relativiert hat. Carlsen, Egmont und Tokyopop konnten so aber den Buchhandel in Sachen Comic deutlich beleben, w\u00e4hrend andere Verlage hier eher au\u00dfen vor bleiben. Der neue Splitter Verlag beliefert haupts\u00e4chlich den Fachhandel, wobei hier auch nur die wenigsten H\u00e4ndler den mittlerweile m\u00e4chtigen Titelstock komplett vorr\u00e4tig halten k\u00f6nnen, zumal Monat f\u00fcr Monat an die 15 neue Titel kommen. Panini wiederum scheint sich bewusst aus dem Buchhandel zur\u00fcckzuhalten, wie Joachim Kaps vermutet: \u201ePanini hat bis heute offensichtlich kein Interesse am Buchhandel, denn die Verk\u00e4ufe, die sie da erzielen, sind so mickrig, gemessen an ihrem Output, dass sich der Buchhandel f\u00fcr sie sicherlich nicht rechnet. Ob Panini jetzt im Buchhandel mehr verkaufen w\u00fcrde, daran glaube ich nicht: Deren Leser finden ihr Zeug auch ohne zus\u00e4tzlichen Vertriebsweg.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben dem Manga ist der Buchhandel aber auch das ideale Isotop f\u00fcr die Graphic Novel. Das ist ein nach wir vor schwammiger Begriff, unter dem alles M\u00f6gliche zusammengefasst wird, aber in erster Linie sind es einzelne, f\u00fcr sich stehende Titel, die damit in einer Buchhandlung auch besser aufgehoben sind. Das ist dann auch eine Schiene, die beispielsweise Splitter bedient, wobei es Carlsen st\u00e4rker als alle anderen forciert hat, indem neben teuren Hardcover-Ausgaben nach einiger Zeit auch g\u00fcnstigere Softcover-Versionen erscheinen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Comic hat sich im Buchhandel etabliert, wenn auch l\u00e4ngst nicht in der Form, die man in den 1980er und 1990er Jahren f\u00fcr das h\u00f6chste Gut hielt. Das Album ist zu einem Nischenprodukt geworden und im Fachhandel besser aufgehoben, der Manga und die Graphic Novel sind aber fester Bestandteil einer guten Buchhandlung. All das ist in gro\u00dfem Ma\u00dfe Carlsen zu verdanken. H\u00e4tte es diesen Verlag und seine Bestrebungen in den 1980er Jahren nicht gegeben, w\u00fcrde der Markt heute anders aussehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Carlsen sorgt mit einem Kundenmagazin, aber auch mit verschiedenen Marketing-Aktionen und Signierstunden daf\u00fcr, den Comic als Teil des Buchhandels zu verankern. Bis zum Ende der 1980er Jahre befand sich der Verlag in der goldenen Position, dass er praktisch der einzige war, der den Buchhandel mit entsprechenden Produkten versorgte. Aber ein derartiger Erfolg weckt nat\u00fcrlich Begehrlichkeiten. 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